Blindenhund Leon finanziert

Fr. Hotter aus Salzburg erhielt am Freitag den 12. März die Nachricht, dass der Restbetrag von 8175,– Euro für Ihren Blindenhund Leon von Seite an Seite überwiesen wurde.

Ihre überglückliche Reaktion zeigte uns, wie wichtig unsere Arbeit ist, einen kleinen Beitrag für die Unabhängigkeit unserer Mitmenschen zu leisten.

Frau Hotter wurde am 2. September 1961 geboren und war von Geburt an kurzsichtig. Im Jahre 1993 wurde die Diagnose Retinitis Pigmentosa gestellt. Von da an ging es mit der Sehstärke ständig bergab. Heute sieht Fr. Hotter fast nichts mehr. In absehbarer Zeit wird Frau Hotter Vollblind sein.

Wir führten ein Interview:

SAS: Wie viel sehen sie jetzt eigentlich noch?

Fr. Hotter: Sie müssen sich das so vorstellen: Nehmen Sie sich eine Zeitung und rollen Sie diese zusammen. Dann halten Sie ein Glas davor und sehen durch. Ich kann also durch den Tunnelblick nur mehr durch Kopfbewegungen fokussieren, und kann hell und dunkel unterscheiden. Aber wenn eine Tür nur halb geöffnet ist laufe ich dagegen, weil ich durch den Lichtschein glaube das diese geöffnet ist. Autospiegel oder kleine hervorstehende Dinge kann ich gar nicht wahrnehmen und laufe stets dagegen. Ich habe schon soviel blaue Flecke wie ein Stuntman.

SAS: Wir möchten unseren Lesern ein wenig Ihr Lebensgefühl vermitteln, deshalb haben wir ein paar alltägliche Fragen vorbereitet. Wie kommen sie denn in unserer hektischen Welt mit ihrem Handicap zurecht?

Fr. Hotter: Nicht sehr gut. Die Menschen drängeln und stoßen – sie achten dabei gar nicht auf meinen Blindenstock. Wenn ich mit meinem Hund gehe ist das besser. Obwohl ich zugeben muss, dass ich teils selbst Schuld bin da ich meine Armbinde nicht immer trage.

SAS: Sie wurden doch auf Bürokaufmann vom AMS umgeschult. Sie könnten doch mittels Computer noch arbeiten.

Fr. Hotter: Leider nicht. Nach 180 schriftlichen Bewerbungen und 150 persönlichen Vorstellungsgesprächen, wurde ich in Berufsunfähigkeitspension geschickt. Das hat gegenüber einer Invaliditätspension den Nachteil, dass ich nicht mal einen Euro dazuverdienen darf. Ich bin also zur Untätigkeit verpflichtet.

SAS: Wie verbringen Sie dann den Tag?

Fr. Hotter: Ich bastle viel. Ich töpfere und male. Alles Dinge die ich vorher auch gemacht habe. Nur leider wird jetzt halt alles ein bisschen gröber (lacht).
Ich freue mich auch wenn ich mit meinem Leon wieder Spazierengehen kann. Ich habe zwar eine Tochter, aber die ist ja auch Berufstätig
und hat nur begrenzt Zeit. Früher habe ich auch gerne Bücher gelesen, aber in Brailleschrift ist das mühsam und ein Hörbuch dient eher als Schlafmittel denn einer spannenden Lektüre.

SAS: Wie geht‘s Ihnen mit alltäglichen Dingen, wie einkaufen, kochen und putzen?

Fr. Hotter: Oh einkaufen ist ganz schlecht. Meist finden Sie im Supermarkt keine Verkäuferin, und wenn dann ist das wie im Baumarkt, weil die Verkäuferin nicht in der Abteilung arbeitet von der ich etwas benötige. Kochen geht noch ganz gut, muss aber dazu sagen, dass ich bei der Einrichtung meiner Küche bereits Bedacht darauf genommen habe, dass ich Vollblind werde. So öffnen sich meine Hängeschränke nur nach oben, die Knöpfe meiner Elektrogeräte kann man gut greifen, und jedes Gerät hat seinen bestimmten Platz. Eine vollblinde Freundin hat mir gezeigt, dass man auch als Blinde Kochen kann, auch wenn‘s manchmal einige Blessuren gibt. Putzen ist etwas schwieriger da ich auf allen vieren meine Flächen putzen muss, deswegen stehen auch immer weniger Gegenstände in der Wohnung.

SAS: Vor was fürchten Sie sich am meisten?

Fr. Hotter: Das ich meine Unabhängigkeit verliere.
Das fängt beim Einkaufen an und hört beim PC auf. Mit genügend Geld können Sie sich Lebensmittel liefern lassen, eine Begleitperson bezahlen, oder auch mal auf Urlaub fahren. Aber als Mindestrentner kann ich mir das nicht leisten. Die einzigen Hilfsmittel zur Erhaltung meiner Unabhängigkeit werden mein neuer Blindenführhund Leon und meine Tochter Katrin.

SAS: Wenn sie noch mal einen Tag volle Sehkraft hätten was würden Sie tun?

Fr. Hotter: Radfahren mit meiner Tochter Katrin. Von allen Entbehrungen welche eine Tochter einer sehbehinderten Frau auf sich nehmen muss, waren Radausflüge die am meisten vermisste Freizeitbeschäftigung. Wir haben es zwar mal mit einem Tandem versucht, aber da sind wir nicht weit gekommen.

SAS: Wenn Sie an ihre Zukunft denken, was werden Sie am meisten gegenüber Sehenden vermissen?

Fr. Hotter: Ich weiß, dass ich die Kinder meiner Tochter nicht sehen werde. Ich weiß, dass ich die Kinder meiner Verwandten nicht wachsen sehe. Ich kann zwar mit den Händen mittlerweile ein Grundaussehen ertasten, aber das ist nicht dasselbe. Diese Bilder nicht sehen zu können, macht mir am meisten zu schaffen.

SAS: Hat ihre Sehbehinderung rückwirkend auch etwas positives?

Fr. Hotter: Ja. Vor allem wurde mir viel Zeit mit meiner Tochter geschenkt. Deswegen haben wir auch so eine enge Beziehung. Auch gibt mir Hilfe von Leuten welche ich gar nicht kenne ein positives Lebensgefühl. Ob das nun Organisationen, Unternehmen oder Privatleute sind, es zeigt das auch in der heutigen Zeit Menschen füreinander da sind.

SAS: Wir danken Ihnen sehr herzlich für Ihre offenen Worte. Wir werden uns dann Ende April sehen, wenn Sie ihren Leon in Empfang nehmen können. Derzeit ist er ja noch in Ausbildung. Wir wünschen Ihnen bis dahin alles gute und freuen uns auf ein Wiedersehen.

Fr. Hotter: Gerne, und nicht vergessen, wenn sie in der Nähe sind, einen Kaffee gibt‘s bei mir immer.

Es führte das Interview unser Obmann Andreas Michalik

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